Fjoergyn – Lucifer es

cover

Fjoergyn gehen seit Jahren ihren ganz eigene Weg und nehmen dabei immer wieder ganz interessante Wendungen und Abzweigungen. Der neuste Streich der Thüringer trägt den trven Titel „Lucifer es„, bewegt sich inhaltlich jedoch deutlich oberhalb der Black Metal-typischen „I love Satan“-Attitüde.

Lucifer es“ ist gefüllt mit 8 Songs (davon ein Intro) und setzt wie gewohnt auf Songs in Überlänge, wodurch sich das Album auf über 60 Minuten erstreckt. Einer, „Terra Satanica“ wurde bereits 2016 als EP ausgekoppelt und ließ erahnen wohin die musikalische Reise gehen soll auch wenn der Song elektronischer daher kommt als es auf dem restlichen Album der Fall ist. Das klingt nämlich nach der logischen Weiterentwicklung nach „Monument Ende„. Nach dem sich langsam steigernden, Atmosphäre aufbauenden „MMXVII“ und einem erhabenen Monolog geht das Album in die Vollen. Groovende, tiefe Riffs treiben die Songs voran, unterstützt von Midtempo-Drums und einer Spur Bass. Immer wieder wird das Tempo gedrosselt und so eine geisterhafte Stimmung heraufbeschworen, die die Songs erst richtig intensiv machen. Daran ist allerdings nicht zuletzt das Keyboard schuld, dass den Songs zusätzliche tiefe und Intensität mit auf den Weg geben. Hier ein Chor, dort ein Orchester-Part und schon entsteht die perfekte satanische Atmosphäre zu der sich immer wieder Momente schleichen (wie in „Lucifer es„) die einen orientalischen Einschlag mitbringen. Neben Atmo haben Fjoergyn allerdings auch die Aggression nicht verlernt und knüppeln immer wieder mit frostigen Riffs und Blasts darauf los. Das macht ordentlich Bock und bringt die Nackenmuskeln in Dauerstress, bis der nächste Cut wieder wohlige Schauer den Rücken hinunterjagen. Daran orientieren sich auch die Vocals, die mal als düstere Spoken Words daherkommen, düstere Eisregen-Screams herausbrechen oder in tiefen Growls ausarten, nur um im Anschluss aggressiven Klargesang vom Stapel zu lassen. Immer wieder werden dabei Effekte wie Hall oder leichte Verzerrung verwendet, die dem Gesang weitere Facetten hinzufügt. Dabei lassen sich die Texte immer recht gut verstehen und wo wir gerade beim Thema sind: Die Band kam nicht (nur) zum Partymachen um die Ecke, denn thematisch dreht sich das Ganze um die immer egozentrischer werdende Welt. Das tun momentan viele, doch Fjoergyn packen ihre Themen gewohnt gekonnt in epische, biblisch orientierte Texte verpacken, die man auch aufgrund ihrer metaphorischen Ebene, dem Kampf zwischen Satan und Gott, großartig finden kann. Addiert man das alles zusammen, dann erhält man „Lucifer es„, ein Album ohne schwachen Song und mit Intro, dass die Bezeichnung auch wirklich wert ist. Jeder Song ein Unikat, der zwar auf den Trademarks der Band aufbaut und sich mit den anderen zu einem stimmigen Gesamtbild zusammenfügen, aber durch unzählige Details immer eine ganz eigene Richtung einschlägt.

Lucifer es“ ist bombastisch und episch wie man es von Fjoergyn kennt, aber gleichzeitig um einiges düsterer und bedrückender als seine Vorgänger. Die Band schafft es tatsächlich bei jedem Album aufs neue den bereits großartigen Vorgänger noch ein Stück zu übertreffen. Ein Kunstwerk, dass den wenigsten Bands gelingt. „Lucifer es“ ist einer der packendsten Mittelfinger an die „Terra Satanica„. In diesem Sinne: Viva la inquisition!

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