Mesmur – S

cover

Kosmische Themen ploppen in letzter Zeit immer wieder auf, wenn man sich in den Randregionen des Metal umsieht. Alleine im (Atmospheric/Ambient) Black Metal scheint sich mit Cosmic Black Metal sogar ein eigenes Micro-Subgenre um den Weltraum zu entstehen, aber auch anderswo ziehen die endlosen Weiten immer wieder Musiker in ihren Bann, ins Extrem reißen es da wohl die Experimental Death Metaller Gravitomagnetic Instability, die sich lyrisch mit Astrophysik beschäftigen, aber das nur nebenbei, denn auch Mesmur, die sich aus amerikanischen, australischen und italienischen Mitgliedern zusammensetzt, haben sich zumindest teilweise dem Kosmos verschrieben. Nach ihrem Debüt 2013 folgte nun mit „S„, was übrigens für die Entropie und damit die Grundeinheit der Thermodynamik steht, der zweite Streich.

4 Songs haben die Jungs im Gepäck, dass das Album dadurch auf 52 Minuten kommt, lässt also den Schluss nahe, dass alle in Überlänge daherkommen und so ist es auch. Lediglich der abschließende Instrumental-Song „S = k ln Ω“ kommt unter 10 Minuten weg und liegt mit 7 Minuten gut 8 Minuten unterm Durchschnitt. Das Album füllt die Band mit dichtem und druckvollem Funeral Doom Metal, extrem langsam, aber mindestens genauso gewaltig, beklemmend und packend. Verloren zwischen Raum und Zeit wabern kraftvolle Riffs und dröhnender Bass durch die Luft das Ganze mehr als dichten Teppich auskleidend als wirklich differenzierbar. Hier und da lösen sich dann aber doch mal Melodien heraus und bereichern die bedrückende Atmosphäre um etwas Melancholie. Unterstützt wird die Saiten-Fraktion dabei von leisen, meist gemächlichen Drums, die hier und da in kurzen Blasts aufgehen. Hier und da webt man noch einige Ambient-Momente ein, die das Album noch etwas atmosphärisch dichter machen und den Kosmos noch etwas in den Vordergrund stellen, sich aber meist dezent im Hintergrund halten. Dabei machen sie zusammen mit den immer wiederkehrenden melodischen Momenten den einzigen Abwechslungsfaktor dar, ansonsten bekommt man ein zusammenhängendes Gebilde aus dichter Atmosphäre, Beklommenheit und Dunkelheit, dass sich bedrohlich aus den Boxen schiebt. Daran haben nicht zuletzt die Vocals schuld, die größtenteils als sehr tiefes Donnergrollen über einen hereinbricht und es noch dunkler und einsamer werden lässt. Auf das Ganze noch etwas Hall und Gänsehaut ist vorprogrammiert. Selten bricht man hier aus dem Konzept aus und lässt verhalltes Flüstern übernehmen, das auch sehr gut zum Sound passt. Zum Schluss übernehmen die Synthies die Regie und blühen im instrumentalen „S = k ln Ω“ auf, kreieren hier eine Sci-Fi-Stimmung und lassen den Weltraum in der Ferne enden.

Mesmur liefern mit „S“ einen extrem dichten, düsteren, beklemmenden und bedrohlichen Riesen los, der den Hörer in die endlose Schwärze des Weltalls schleift um ihn dort den ewigen Weiten zu übergeben und ihn von ihrer Gewalt überrollen zu lassen. Atmosphärisch unglaublich stark und vereinnahmen ist das wohl mein Funeral Doom-Highlight des Jahres.

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Eine Antwort zu “Mesmur – S

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