Grauzeit – Symbiose

cover

2010 formte sich die Band Grauzeit aus Hamburgern und Bayern um die beiden Musiker L. und M.F., von denen man zumindest letzteren aus einer seiner 100 anderen Bands (Freitodt, Todessucht) kennen dürfte, wenn nicht, hat man sicher mal ein oder 2 der Logos, Artworks etc gesehen, die er für unzählige Bands designet hat. Nach der Bandgründung folgten dann einige Demos und EPs mit ständig wechselnder Besetzung, bis dann nur noch L. und Argwohn blieben und deren Regie nun das erste Album freigelassen wird.

Was das Duo auf seinen ersten Silberling gepackt hat sind 8 Songs und damit 40 Minuten Spielzeit. Das Ganze trägt den Titel „Symbiose„, fängt allerdings mit dem „Parasit“ an endet mit dem Titeltrack, was auf eine Art roten Faden oder zumindest einen losen konzeptionellen Rahmen schließen lässt. Musikalisch klingt das Album zumindest ziemlich flüssig, zelebriert schön depressiven und melancholisch verträumten Blackgaze, der neben aller emotionalen Tiefe und Schwermut auch ordentlich auf die Pauke schlagen kann. Dichte Gitarrenwände gehen passenderweise die Symbiose mit Keyboardteppichen ein und kreieren so ein engmaschiges Netz, das den Hörer sofort packt. Dabei hat das Material genug Feuer unterm Hintern um mitzureißen Energie zu versprühen. Selten eskalieren die Jungs und lassen einige Blasts und richtig aggressive Riffs vom Stapel, ansonsten liegt das Hauptaugenmerk auf der gelungenen Atmosphäre und eher gemächlicherem Sound. Immer wieder hält die Band inne und lässt rockigen Shoegaze vom Stapel, der ordentlich Spaß macht und viel Groove und Spielfreude mitbringt. Ab und an sinkt das Level bis runter auf Keyboards mit leichter Gitarrenunterstützung, was sich dann allerdings meist mit deutlich härteren Momenten ablöst und macht das Album sehr spannend und abwechslungsreich…und der urban-melancholischen, verträumten Atmosphäre hilft das natürlich auch sehr. Immer wieder überrascht einen die Band wie in „Faust„, dessen Stakkato-Intro klingt wie eine Black Metal-Version von Japanische Kampfhörspiele oder was, das auch Fäulnis mal ins Repertoire hätte rutschen können. Das legt sich zwar schnell wieder, ist aber eine schöne Abwechslung, die jedes mal wieder Spaß macht. Dabei ist ein Groß des Albums instrumental, was kein Fehler ist, denn was die Jungs da vom Stapel lassen ist auch ohne Gesang geil, aber es ist tatsächlich auch Gesang vorhanden und der kommt in harschen, tiefen Screams daher. Meist relativ leise abgemischt, keifen sie im Hintergrund wütend und eiskalt die düsteren, sozialkritischen Texte heraus und treten hier und da auch mal weiter in den Vordergrund. Das liefert dem Album noch etwas Kante und Härte, fügt sich aber, nicht zuletzt durch den leichten Hall, nahtlos ins Album ein. Für meinen Geschmack vielleicht einen Zacken zu leise, aber an sich sehr stark und vor allem sehr gut performt.

Wer Blackgaze und Post-Black Metal mag, der wird Grauzeit lieben, denn den Jungs ist mit „Symbiose“ ein Debüt geglückt, dass man gehört haben sollte. Es ist extrem atmosphärisch, verspielt, melamcholisch, melodisch und fatten-/ideenreich gestaltet, dazu immer den gewissen Grad Härte, da bleiben eigentlich keine Wünsche offen. Für mich eines DER Alben des Jahres.

Links:

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