Urschrei – Dekadenz

Urschrei - Dekadenz

Das heutige Review möchte ich nutzen, um einer Band aus Bayern mal ordentlich in den Arsch zu treten, denn diese Suffköppe und Kriegsdienstverweigerer lassen bereits seit 5 Jahren auf den Nachfolger zu ihrem Album „Dekadenz“ warten. Was ist da nur wieder los? Gut, man könnte jetzt anmerken, dass es in der Zwischenzeit einige personelle Veränderungen gab, aber die sind auch schon wieder 3 Jahre her. Dabei war dieses Werk von Urschrei sogar richtig vielversprechend, wenn auch noch nicht ganz ausgereift.

Nach einem zur Abwechslung mal sehr schönen und passenden Intro irgendwo zwischen Dark Ambient und schamanischem Ritual geht die Band in die Vollen. Langsam, denn zunächst leiten sägende Riffs und gemäßigtes Mid-Tempo-Drumming und verzerrte manische Vocals. Danach gibt es packenden Pagan Black Metal der alten Schule auf die Ohren, ohne bombastische Keyboards und epische Teppiche. Dabei zeigt sich die Band aggressiv, sowohl musikalisch als auch textlich, wobei diese Aggression immer wieder von filigranen Melodiebögen umspannt und unterbrochen wird. Spontaner Querverweis wären an dieser Stelle wohl Helrunar und Konsorten. Treibend, packend und tiefgängig zeigt sich die Band und lässt sich textlich über die „Krankheit Mensch“ und die Zerstörung der Welt aus und verbindet das mit melancholischer Naturverbundenheit. Da passen natürlich auch ein paar ruhige Sampler und Akustikgitarren immer gut. Um das ganze in das richtige Gewand zu kleiden, mischen die damals noch zu zweit agierenden Herren die Pagan Black-Basis mit einem Hauch Old-School Atmospheric Black, also leicht in Richtung Burzum und als Konterpunkt zum 90er-Feeling kommen noch Riffs und Arrangements aus dem modernen Post-Black zum Einsatz, die das ganze etwas auffrischen und jung erscheinen lassen. Die beiden Einflüsse sind zugegeben nicht überladen, sondern erweitern den heidnischen Schwarzmetall der Jungs um einige Facetten, aber die Mischung aus Pagan und Post Black finde ich doch ziemlich interessant und „neu“. Gerade der 12-minütige Epos „Welk“ zeigt das extrem eindrucksvoll und bildet mit dem Hass-Batzen „Krankheit Mensch“ die Speerspitze des Albums. Hier und da werden noch weitere Einflüsse eingefügt und ausgetestet. Da kann es auch schonmal etwas nach Fäulnis klingen, wenn in „Das Ende vom Anfang“ die Stimmung etwas depressiver und düsterer wird. Nach 65 Minuten, die zwar hier und da ein paar Längen haben, aber an und für sich doch ziemlich geil und vielversprechend sind, endet das Album mit Streichern und Dark Ambient und entlässt den Hörer ruhig aus Selbigem.

Urschrei zeigen auf ihrem Album „Dekadenz“ viel Potential und eine sehr frische und doch old-schoolige Herangehensweise an den Pagan Black Metal, die man sehr gerne noch ausbauen könnte. Es wird viel experimentiert und geschaut was am besten zu Band passt und so folgt das Album nicht immer einem roten Faden, aber das ist in dem Fall auch gut so. Das Album sollte man sich dann doch mal zu Gemüte führen. Wenn es genug Leute bestellen, werden die Herren vielleicht auch wieder wach, aber wie ich hörte, tut sich da wohl langsam was 😛

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