Freitod – Regenjahre

Freitod - Regenjahre

Das bayrische Duo Freitod ist mir seit 2 Jahren ein Begriff, als ich kurz in das aktuelle Album reinhörte und mir daraufhin (wohlgemerkt bevor ich es zu Ende hören konnte) die komplette Diskografie der Jungs zu beschaffen, was im Nachhinein absolut kein Fehler war. Während das erste Album noch mehr eine Demo-Sammlung war als ein richtiges Album, noch dazu eher im klassischen DSBM angesiedelt, wenn auch die spätere Richtung zu erkennen war, fingen sie auf „Regenjahre“ an daran deutlich stärker zu arbeiten und lieferten, aus meiner heutigen Sicht heraus, ihr bislang vielseitigstes und innovativstes Album, während mir der Nachfolger jetzt nach 2 Jahren doch zu eintönig daher kommt.

Der Stil, den sich die Band geschaffen hat, liegt irgendwo zwischen melodischem Black Metal, düster, depressiv und (Dark) Rock. Ich nenne das jetzt einfach mal Depressive Black’n’Roll, der trotz oder gerade wegen des ziemlich klaren Sounds funktioniert. Was das heißt und wie das klingt, sieht man bereits beim Opener und Titeltrack, der nach dem Spoken-Word-Intro loslegt. Sehr melodisches Riffing dominiert das Bild, das auch regelmäßig monotone, sich wiederholende Melodien einsetzt, wie es im DSBM ja üblich ist um die beklemmende und depressive Grundstimmung aufzubauen. Nur geht es bei Freitod in eine gänzlich andere Richtung, rockiger, grooviger und softer. Dazu gesellt sich seichtes Drumming, das wenig pusht und gemächlich vor sich hinrumpelt, wenn es nicht gerade in einem der spärlich eingestreuten Blasts aufgeht oder ähnliches. Der Bass folgt meist den Gitarren und liefert eine kraftvolle Untermalung für selbige. Darauf legen sich die Vocals, die sich mal als harsch keifende und dreckige Screams aus den Lautsprechern kämpfen oder sich als bezaubernder, sehr emotionaler Klargesang ihren Weg in den Gehörgang schleichen. Beide sind extrem gut performt, kraftvoll, energiereich und gefühlvoll. Wie abwechslungsreich diese Kombi sein kann, zeigt sich im Verlauf des Albums. Während „Regenjahre“ die, ich nenne es mal klassische, Spielart Freitods liefert, geht das anschließende „Der Trauersturm“ mit härteren Riffs und mehr Screams deutlich stärker in die Black Metal-Richtung. Bei „Letztes Wort“ wird ordentlich dem Groove gehuldigt, hier und da mischen sich noch leichte progressive Elemente in die Songs (siehe „Nichtssagend„) oder liefern einen Song, der sehr ruhig daher kommt, sich aber im Verlauf zum vielleicht besten Stück des Albums entwickelt, mit sehr gefühlvoller, ruhiger Musik und absolutem Ohrwurmcharakter mit düsterer Gänsehaut-Garantie („Sterbenswert„). Gut, ich gebe es zu, wer bei Dark Rock vielleicht auch in die Gothic-Ecke geschielt hat und sich denkt, die Texte triefen sicher vor Kitsch, der soll recht behalten. Textlich ist es tatsächlich ziemlich klischeebehaftet und emotional eher auf dem Niveau eines Teenie-Emos, aber das ist dann auch schon der einzige Mangel an diesem Album bzw der Band an sich, was vermutlich nur daran liegt, dass die Band sie so vorträgt, dass man die Worte versteht und nicht nur weinerliches Kreischen im Ohr hat. Aber dafür kann man es schön mitsingen 😉 Zudem passt es sehr gut zur Musik (was jetzt absolut positiv gemeint ist).

Freitod, an der Band werden sich vermutlich, vor allem aufgrund der Texte, aber auch wegen der Kombination selbiger mit sehr rockigem Black Metal kombiniert, oder diesem Depressive Black’n’Roll, wie ich es nenne, die Geister scheiden. Abgesehen davon bietet „Regenjahre“ bezaubernde, sehr emotionale Musik, die aus dem typischen DSBM-Sumpf heraussticht wie Marduk unter Stoner-Bands. Gerade die großartigen Clean Vocals sind bereits mindestens ein Ohr wert, die Arrangements, Kulisse und Melodien nehmen dann gleich das Zweite in Anspruch. Entweder man liebt es oder man hasst es…und ich finde es verdammt geil! Bei Ván Records kann man aber eh nicht viel falsch machen.

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