Azarok – Origo

Azarok - Origo

Es ist jetzt schon einige Zeit ins Land gestrichen seit ich einen Bericht zu Azarok verfasst habe. Ich finde, es wird Zeit für Nachschub. Während ich beim letzten Mal den 40-minütigen Song/Album „X“ verwertete, widme ich heute dem Nachfolger „Origo„, der zugleich das letzte Album des finnischen Ein-Mann-Projektes darstellte, bevor dieses umbenannt wurde. Und da man davon nichts mehr hört, scheint dieses Album tatsächlich das Ende des musikalischen Wirkens E. Hereticius unter diesem Banner darzustellen. Sehr schade…

…denn was Azarok für mich immer ausgezeichnet hat, war seine extrem großartige Verschmelzung von Folk und Black Metal wie es (und ich scheue mich nicht davor den Namen in den Ring zu werfen) zuletzt Ulver auf ihrer „Bergtatt“ schafften. Danach kamen auch immer mal wieder gute Bands in dieser Sparte, aber Azarok und Ulver bleiben für mich ersteinmal ungeschlagen. Punkt. Dafür sind die Ansätze der beiden Bands gar nicht mal so ähnlich. Immerhin fehlt Azarok komplett das avantgardistische, das Ulver auszeichnet. Stattdessen liefert der Finne ruppig-schroffen Black Metal, der so eher an Bathory zu Hammerheart-Zeiten erinnert und immer wieder einen doch recht präsenten Viking-Einschlag zeigt. Kühle Riffs sägen kraftvoll durchs Unterholz und werden dabei von einem treibenden, recht groovigen Drumcomputer unterstützt, der das Kalte der Musik noch etwas verstärkt, gleichsam aber auch die Brücke zu den Keyboards schlägt und diesen fast verstärkend/unterstützend zur Seite steht. Ebenjene sind es, die den Hauptteil der Folk-Einflüsse auf diesem Album ausmachen. Immer wieder kommen Flötenklänge zum Einsatz, um die Naturmystik in das Album zu bringen. Das wird besonders dann deutlich, wenn die Musik voll auf die Bremse tritt und zu Akustikgitarren wabernden Ambient laufen lässt während verhallte Spoken Words und ein paar Natur-Sampler ihr Übriges tun, bis das Album wieder anzieht und donnernde Blasts, die Gitarren zu einem fuzzigen Nebel werden und eine einsame Lead für Melodie und Emotion sorgt, während die Keyboards den Sound weiter verdichten, anschwellen lassen und so zu mehr Erhabenheit beitragen. Immer wieder wird der Sound erweitert oder aufgefrischt, zeigt von Song zu Song ein etwas anderes Gesicht, mal erhabener, mal direkter und mal recht experimentell. Das Ganze ohne den typisch nordischen Azarok-Sound zu vernachlässigen. Gerade „Uhrimullat“ ist da wohl ein gutes Beispiel. Auch die grimmig keifenden Vocals passen da sehr gut ins Gesamtbild, wirken durch den Hall und die oft leise Abmischung distanziert und kühl und peitschen doch wie frostiger Nordwind über die Tundra. Al großes Finale des Albums bündelt das 20-minütige Brocken „Oodi“ nochmal alle Stärken der Band, startet mit typischem Intro gefüllt mit Naturklängen und Akustikklampfe und entwickelt sich schnell zu einem gigantischen nordländischen Epos mit viel Bombast, folkigen Momenten und frostigem Black Metal. Einfach herrlich.

Wer seinen Black Metal mit Folk, gerne etwas ruppig und kühl mag, der kann sich an Azarok vermutlich nicht satthören. Zu viel gibt es zu entdecken, zu packend die Songs und zu schön das Träumen von Fjorden und Wäldern. Die Band hatte sich bereits mit „X“ in mein Herz gespielt und „Origo“ festigte den Eindruck nochmal um einiges. Es ist halt einfach richtig gut und als ich es für dieses Review wieder ausgegraben habe, ist mir wieder mal bewusst geworden, dass ich es eigentlich viel zu selten höre.

Links:

Bandcamp    Metal-Archives

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