Horn – Turm am Hang

Horn - Turm am Hang

Horn zählt bei mir bereits seit Jahren zur aktuellen Speerspitze des deutschen Pagan Black. Einerseits wegen der sehr eigenen Auslegung des Sounds und zum Andern wegen den großartigen Texten, die häufig von älteren Texten des späten Mittelalters bis frühen 20. Jahrhunderts geprägt und inspiriert wurden. Der Vorgänger war maßgeblich vom 1. Weltkrieg beeinflusst und vereinte thematisch passende Werke unter diesem Banner, bei „Turm am Hang“ stand dagegen maßgeblich das Volkslied „Es ist ein Schnitter“ aus dem 17. Jahrhundert Pate.

Der Sound ist dabei dem Vorgänger alles andere als unähnlich, Horn bleibt seinem eingeschlagenen Weg treu und passt nur die Atmosphäre dem geänderten Thema an. Treibende Kraft des Sounds sind weiterhin die stampfend nach vorne marschierenden Drums, die etwas militärisch anmuten und dabei nur sehr sehr selten in Blastbeats ausufern, sondern meist dieses eher gemächlich aber beständig vorwärtsstampfende aufweisen. Unermüdlich und unnachgiebig werden so die Songs angetrieben und die Gitarre hat Zeit sich um andere Dinge zu kümmern. So sorgen sie für sehr melodische Riffs, die warm und gemütlich, wenn auch mit etwas sägen ihren Weg gehen und den Songs das typische Gesicht geben. Filigrane Melodien treffen auf packende kleine Soli packen den Hörer. Die Gitarren sind dabei noch am nähsten am klassischen Pagan Black und liefern altertümlich anmutende Riffs, die auch eine gewisse Naturverbundenheit ausstrahlen. Das Ganze wird dann noch weiter verstärkt durch Breaks in den Songs in denen die Akustikkeule mit Folk-Elementen ausgepackt wird oder auch mal chorische Elemente (siehe „Die mit dem Bogen auf dem Kreuz„) zum Einsatz kommen. Ansonsten wirkt das ganze eher wie angeschwärzter Heavy oder Epic Metal mit Pagan-Note. Und da gibt es dann noch die Überraschungen wie der Militär-Marsch-Sampler am Anfang von „Verhallend in Landstrichen„, der sehr punkige „Ä(h)renschnitter“ oder ein paar Post-Einflüsse hier und da. All das passt jedoch super zum Sound der Band und gerade Punk- und Deutschrock-Einflüsse finde ich im Black Metal extrem geil. Als Albumausklang werden dann ganz neue Töne eingeschlagen, denn mit „The Sky Has Not Always Been This Way“ covert der gute Herr die Black Metal/Ambient-Band When Bitter Spring Sleeps und kreiert dabei eine Mischung aus Ambient Black Metal und Irish Folk. Sehr spannend.Gesanglich liefert Nerrath sein typisches Spiel mit chorischem Klargesang und sehr gut verständlichen, sehr melodischen und kraftvollen Vocals, die genau auf der Schwelle zwischen rauchigem Klargesang a la Frei.Wild und Ansätzen von kehligen Black Metal-Vocals steht und erinnert damit an das ebenfalls aus Bayern kommende Ein-Mann-Projekt Festung Nebelburg.

Alles in Allem liefert Horn ein weiteres Werk ab, dass typisch nach Horn klingt und den Hörer in eine wunderbar gestaltete musikalische Landschaft entführt, die den historischen Vorlagen mehr als gerecht wird. Epischer, moderner Pagan Black Metal, der sich immer wieder auf neues Terrain begibt ohne viel zu ändern. Ein paar punkige Einflüsse ändern nicht viel am Sound, lassen den Song trotzdem in eine völlig andere Richtung abdriften. Und genau das mag ich so sehr an der „Hitschmiede“ Horn und da bildet auch „Turm am Hang“ keine Ausnahme.

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