Weidenbaum – Raue Winde und blasse Schwingen

Weidenbaum - Raue winde

Auf Weidenbaum bin ich aufmerksam geworden, als ich mir den kompletten Katalog von Düsterwald Produktionen langsam aber sicher zulegte. Das Label gibt es zwar seit etlichen Jahren nicht mehr, aber bei Veröffentlichungen von Bands wie Vargsheim, Munarheim oder BlackShore sollte man sich die Sache genauer anschauen. Dabei war „Raue Winde und blasse Schwingen“ einer meiner bislang erfolgreichsten Blindkäufen und mindestens auf einer Stufe mit Stallion, Sekhmet oder Cryptic Wintermoon.

Was das bereits 2004 erwachte und seit 2013 als Withania agierende Projekt auf seinem 2009 erschienenen 2. Album abliefert ist einfach edel und extrem fesselnd. Ruppiger Black Metal mit donnernden Blasts, sägenden Gitarren, flirrender Kälte und harschem Keifen trifft auf Wogen aus Melancholie, tiefer Naturverbundenheit und Windmystik. Irgendwo zwischen Burzum, Munarheim und Freitod siedelt sich die Band mit ihrem ganz eigenen mystischen Klang an. Gewaltig donnergrollen bricht sich brachialer Black Metal bahn, der volle kraft nach vorne prischt, hier und da auch mal in Richtung Black’n’Roll driftet und die Songs wütend nach vorne peitscht, bis ein Break kommt und sich die Naturmystik und geballte Melancholie losgelassen wird, die sowohl mit kantig-keifendem Schreien als auch melodischem Klargesang voll in seinen Bann zu ziehen weiß. Seichtes Drumming wird begleitet vom sanften Spiel melodischer Gitarren. Immer wieder tauchen groovig treibende Momente auf, die dem ganzen noch eine weitere Eigenheit mit auf den Weg geben und sich doch gut einfügt. Die Vocals, ob Klargesang oder harsches Keifen, sind immer wunderbar zu verstehen und geben so den poetischen und verträumten bis klagenden Lyrics Platz sich zu entfalten und zu wirken. Immer wieder spielt Lirtes mit dem Wechsel von harsch zu halb-akustisch, von Gewalt zu Ruhe, nordisch kühl zu warm und geborgen und trifft damit jedes Mal ins Schwarze. Egal ob das aggressive, düstere „Letztlich fallen alle„, das Wind-verliebte „Vom Winde besessen“ oder das finale „Der Ruf der Schwingen„, alles an diesem Album trieft nur so vor Melancholie und verträumter Schönheit, aufgelockert durch harschen, aber immernoch melodischen Black Metal. Als krönenden Abschluss des Werkes legt der Gute mit dem Titelstück noch ein bezauberndes Neo-Klassik-Stück bei, das zwischen ruhigen, verspielten Geigen, „Imperium Paganum“ von Invictus und treibender Filmmusik angesiedelt ist und dem Album ein eher ruhiges aber nicht weniger packendes Finale beschert und gleichsam nochmal auf ruhige Art und Weise durch das ganze Album führt, immer wieder Melodiebögen aus anderen Liedern auffasst und daraus ein geniales Gesamtbild zaubert.

Weidenbaum ist mit „Raue Winde und blasse Schwingen“ ein Meilenstein deutschen Black Metals gelungen, der viel zu wenig wertgeschätzt wird. Wer auf melancholischen und verträumten Black Metal steht, der hat hier seine ganz eigene kleine Waldlichtung gefunden auf der er sich getrost zur Ruhe setzen kann.

Links:

Bandcamp    Facebook    Metal-Archives    Myspace

Werbeanzeigen
Dieser Beitrag wurde unter Review veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s