Toter Fisch – Yemaya

toter Fisch - Yemaya

YARR ihr Landratten, Segel gehisst und volle Kraft steuerbord! Man soll ein Buch ja nicht nach dem Einband beurteilen, dasselbe gilt scheinbar auch für Bandnamen, denn die Franzosen Toter Fisch laden ihre Kanonen vorschriftsgemäß mit absolut ernst zu nehmendem „Pirate Metal“, weswegen ich mich stolz als Crewmitglied seit der ersten EP bezeichnen kann. Vor gut eineinhalb Jahren brachten sie mit ihrem ersten Album „Yemaya“ auch gleich ein Konzeptalbum auf dem die Crew sich in ihrem Streben nach Unsterblichkeit ihren größten Ängsten gegenüber sieht.

Der Sound drückt ordentlich und kommt mit viel Energie um die Ecke, während sich die Jungs ihre ganz eigene Pirate-Nische bauen, denn den Kitsch von Alestorm und die Thrash-Grütze von Swashbuckle umschiffen die Herren gekonnt und gehen stärker in die Black/Death-Metal-Richtung ala Finntroll. Aggressiv, direkt und doch ziemlich folkig. Die Riffs reißen tiefe Schneisen in die Wellen und weben immer wieder ordentlich Grooves in den eher melodischen Reigen, der durch den Bass noch etwas Druck von hinten bekommt. Tempowechsel und Groove-Schneisen kommen oft überraschend und halten das Gehörte schön frisch und interessant. Da helfen auch die soliden Drums mit, die sich im Mid-tempo herumgaloppieren, hier und da aber auch mal deftige Blasts von Stapel lassen und damit die Aggression oben halten während die Gitarren kurz dem Akkordeon seinen Raum lässt. Richtig gelesen: Akkordeon, kein Keyboard. Da kommt natürlich sofort Meer- und Tavernenfeeling auf und die ganze Sache klingt organischer und einfach schöner als mit einem Keyboard und so sorgt es im ruppigen Folk Metal der Franzosen für folkige Schunkelmomente und richtig schönen, oft melancholischen Flair und darf immer mal wieder auch die eingestreuten Piraten-Sampler musikalisch untermalen. Dazu liefert es einen ruhigen Ausgleich zur restlichen Musik, die von harschen, dreckigen Keifen von Sänger und Bandchef Horgoth LordToad, welcher nur in „Mami Wata“ weibliche Unterstützung bekommt. Für die alten Fans haben sich die Jungs auch noch einen kleinen Schmankerl zurecht gelegt, denn mit „Another Sunset“ gibt es die Metal-version von „Sunset with Rum“ von der Debüt-EP, die das Akustikstück ins harte Licht rückt. Aber egal ob die Jungs tanzbare Mitgröhlsongs („Back to Nassau„), langsam stampfende Brecher („Waiting for the End„) oder dicke Riffwände auffahren, Toter Fisch beweisen jedes Mal, dass sie aktuell das heißeste Eisen im härten Pirate Metal darstellen. Allein der epische, langsam aufbauende Rausschmeißer „Epilogue“ ist dafür beweis genug.

So tot kann dieser Fisch gar nicht sein, wenn er so fette Riffs vom Stapel lassen kann und dabei Akkordeon und Metal extrem gut zusammenführt ohne eine Spur von Kitsch oder Power Metal aufkommen zu lassen. „Yemaya“ ist nicht nur für alte Seebären geeignet, sondern bietet sicher für jeden Folk Metal-Fan genügend interessante Momente…außer man will sich zusaufen, da ist man hier leider falsch. In diesem Sinne: BACK TO NASSAU!

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