Bliss-Illusion – Shinrabansho

Bliss-Illusion - Shinrabansho

Lieblingslabel-Aufarbeitung Part 2: Dieses mal begeben wir uns ins Land der aufgehenden Sonne. Dass China mittlerweile auch musikalisch in der Metalwelt der „westlichen Zivilisation“ angelangt ist, weiß man seit Tengger Cavalry oder Pest Productions. Recht neu auf meinem Radar sind dagegen die Chinesen von Bliss-Illusion, deren 2018 Debüt-Album „Shinrabansho“ vor Kurzem nochmal für den westlichen Markt neu aufgelegt wurde und mir als „Post-Black/Shoegaze“ angepriesen wurde. Naja…

Was sich hinter dem schicken zweifarbigen Digipak verbirgt, erinnert nicht wirklich an Post-Black, nichts desto trotz ist es den Jungs gelungen ein wirklich einzigartiges und fesselndes Album zu schreiben in dessen Tiefe man sich immer wieder aufs neue verlieben kann. Mit dichter Produktion, die ziemlich klar und kantenlos ausfällt, hier und da aber doch ein wenig Rauheit zeigen kann wird schonmal der passende Rahmen für die verspielte, verträumte und dichte Atmospähre geschaffen, die später durch die Musik erschaffen wird. Und davon kreieren die Jungs reichlich! Was den Jungs an schwarzemtallischer Härte, Dissonanz und Riffs fehlt, machen sie mit einer brisanten Mischung aus Post-Hardcore und chinesischer Folklore wieder wett. Meist geht es dabei ruhig zu, die eher im Hintergrund agierenden Gitarren liefern ein paar mal eher an Post-Rock, mal im Post-Hardcore verwurzelte Melodie, Grooves und Riffs mit denen dem Album schonmal ein eher lockerer Spirit mitgegeben wird. Dem entgegen stehen die Vocals, die sich mit (tatsächlich) black metal-lastigen Screams und Schreien von ihrer harschen Seite zeigen und ein bisschen Kante und Kühle in den Sound streuen. Unterstützenden wirken die sanften, gelegentlich orientalisch angehauchten Drums, die sich meist allerdings eher an den Gitarren orientieren und selbige vorantreiben. Dieses an sich schon etwas atmosphärische Gemenge wird jetzt noch verdichtet indem die Jungs chinesische Folklore im Überfluss einfließen lassen und damit ein dichtes, fast schon schamanisches Ritual heraufbeschwören. Mal geht es dabei bedrückend, düster und schwer zu, mit viel Dark Ambient und Didgeridoo, mal sorgen orientalische Flöten für eine betörende Leichtigkeit, die mit chinesischem Folk und ein wenig World Music dafür sorgt, dass das Album nicht allzu dicht und düster wird. Stattdessen bleibt das Album verspielt und verträumt, eher positiv mit einigen düsteren Momenten, in denen inne gehalten wird um neue Kraft zu schöpfen. Und dann, wenn man am wenigsten damit rechnet kommt „Naraka“ und liefert tatsächlich noch einen Schwung Post-Black Metal und sticht damit aus dem Album als aggressiver Höhepunkt hervor, nur damit im anschließenden „The Age of the Last Dharma“ sehr sanfter Indie Pop präsentiert wird. Und trotzdem ist es ein konzeptionell geschlossenes Werk geworden, in dem alle Songs ineinander greifen um eine dichte aber lockere Atmosphäre zu kreieren.

Wer schon immer wissen wollte wie gut man atmosphärischen Post-Hardcore mit chinesischer Folklore verbindet, sollte hier unbedingt mal reinhören und auch die, die sich das im Leben nicht fragen würden, gebt der Scheibe mal ein Ohr. Auch wenn es nicht der Post-Black ist, der versprochen wird, so schaffen es die Herren trotzdem ein extrem vielschichtiges, dichtes und einzigartiges Album zu erschaffen. Bliss-Illusion haben schon gleich auf ihrem Debüt-Album „Shinrabansho“ einen eingenen Sound gefunden und den sofort in höchster Qualität darzubieten verstanden. Da ist also noch einiges zu erwarten!

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