And Harmony Dies – Totenamt

andharmonydies

Heute gehts zum einen nach Italien und zum anderen extrem experimentell zu Werke, denn And Harmony Dies haben von Scheuklappen vermutlich noch nicht mal gehört. Seit mittlerweile fast einem viertel Jahrhundert fabrizieren die aktuell als Quartett agierenden Italiener einen stilistischen Mix, der im weitesten Sinne noch Black Metal genannt werden kann. Dabei erfinden sie sich, wie es sich für selbsternannte Avant-gardisten gehört, auf jedem Album neu und auch das 2016 erschienene Album „Totenamt“ bildet da keine Ausnahme.

Mit seinen 9 Songs kommt die Scheibe auf genau 45 Minuten und kommt mit ordentlicher Produktion daher. Nix klingt verwaschen, keine großartigen Störgeräusche sondern ein schön ausgewogener Mix und viel Spielraum für die Instrumentalisierung. Diese vermengt Stile an die man weder im ersten noch im zweiten…und vermutlich auch nicht im zwanzigsten Moment denken würde. Melodische Black Metal mit einigen symphonischen Anleihen wird hier skrupellos mit Karnevalsmusik gemischt und oft bis zur Unkenntlichkeit abgewandelt. Leicht zugänglich geht gewiss anders und doch versprüht das Album einen fesselnden Charme. Harsche Black Metal-Riffs mit Hang zur Melodie treffen auf viele Interludes und softe Parts, ein paar folkig anmutende Flöten, abstrakte Synthies, Ambient, besagte Zirkusmusik, elektronische Spielereien, Darkwave und so weiter und so fort. Dass das keine Musik für Jedermann ist, kann man sich eigentlich denken. Hier wird einfach mal alles in den Schmelztiegel geschmissen was nicht bei drei auf den Bäumen sitzt…und trotzdem funktioniert es. Trotz bisweilen recht harscher Umschwünge und Wechsel gelingt es der Band irgendwie einen halbwegs erkennbaren roten Faden in ihr Schaffen einzuweben, immerhin ist es ein Konzeptwerk, welches von der Absurdität und Skurrilität des Lebens und Sterbens handelt. Und genau danach klingt es auch. Völlig abgedreht, skurril und verwirrend, aber doch im einem seltsam vertrauten Hintergrundgefühl, das sich immer wieder einschleicht. So baut sich langsam aber sicher ein ziemlich spannendes Werk auf, das immer mehr zu fesseln weiß je öfter man sich ihm anvertraut. Für die ganz hartgesottenen gibt es anschließend noch einen 10. Song, ein 15-minütiges Stück, das komplett ohne Metal nochmal die volle Breitseite abgedrehter Synthies abfeuert, dabei Karneval mit uralten „Sci-Fi Sounds“ mixt, hier und da Streicher einbaut, düsteres Wabern dabei hat und irgendwann nach 10 Sekunden Störgeräusch in Kirchengesang mündet. Was auch immer die Jungs da geraucht haben…

Scheuklappen sollte man sich definitiv nicht anlegen, wenn man der Musik von And Harmoy Dies lauscht. Das war früher schon so und ist auf dem neusten Album auch wieder der Fall. Dafür wurden sie noch ein Stück abstrakter und verwirrender. Wer also auf die volle Breitseite an Genres gefasst ist, der kann sich „Totenamt“ mal vorsichtig zu Gemüte führen, es ist allemal ein Ohr wert. Mit der Zeit gefällt es einem sogar richtig gut, auf eine ganz eigene Art und Weise.

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