Vargsheim – Träume der Schlaflosen

Vargsheim - Träume der Schlaflosen

Vargsheim aus Würzburg ist immer die Band, die mir als erstes einfällt, wenn es um lokale Bands geht. Das liegt wohl nicht zuletzt der großartigen Mucke auf mindestens den letzten beiden Alben („Söhne der Sonne“ war unter den Top 3 meiner 2019 Highlights), aber auch daran, dass ich die Jungs schon etliche Male live erleben konnte. Nach einem englischen Review für „Söhne der Sonne“ wird es Zeit, dass wir uns mal dem 2015er Album „Träume der Schlaflosen“ widmen, dem dritten Album der damals 11-jährigen Bandgeschichte.

Auch auf „Träume der Schlaflosen“ gehen sie den Weg der Vorgänger ein gutes Stück weiter und implementieren mehr und mehr Rock-Elemente in ihren Sound, bleibt allerdings immernoch stark im Black Metal verwurzelt. Skandinavische Riffs, Tremolos und Blast Beats dominieren das Bild und sorgen für eine düstere, fast schon kalte Atmosphäre während immer wieder eingestreute Doom-Anleihen für einen schweren und erdrückenden Unterton sorgen. Doch kommen bereits hier die Rock-Elemente nicht zu kurz und werden immer wieder mal mehr mal weniger dominant eingestreut und sorgen für etwas Staubiges und macht den Gesamtsound deutlich organischer und lebendiger. Gerade Songs wie „Die Netzuhr“ oder „Svartnatt“ strotzen nur so von rockiger Gitarren- und Bassarbeit. Insgesamt zeigt sich der Bass sogar ziemlich dominant auf der Scheibe, geht seine eigenen Wege, hat eigene Ideen und folgt nicht nur blind einem der anderen Instrumente. Dabei braucht er sich auch nicht verstecken sondern fügt sich schön ins ausgewogene Gesamtbild ein, in dem kein Instrument zu kurz kommt, sondern alle Aspekte des Sounds genug Raum haben um sich von ihrer Schokoladenseite zu zeigen. Klar ist die Scheibe nicht glasklar produziert und nur im Proberaum aufgenommen, doch sorgt das leicht raue für einen deutlich wärmeren, angenehmeren Klang, der super zu den Rock-Einflüssen passt ohne das Harsche und bissige des Black Metals zu arg zu verwässern, was auf den Vorgängern noch nicht unbedingt gegeben war. Immer wieder nimmt die Band das Tempo weg und lässt schwere Doom-Einflüsse zu, die Songs wie „Der dunkle Teich“ oder „Finning“ noch bedrohlicher und packender werden. So verhindern die Jungs auch gekonnt, dass die Scheibe irgendwann langweilig werden könnte, wobei das auch durch das ohnehin großartige und facettenreiche Songwriting nie aufgekommen wäre. Auch gesanglich gibts einiges zu hören, wobei rasselnder, grimmiger Gesang, irgendwo zwischen Black Metal und Motörhead, der vorherrschendste Tonfall ist. Dazu gesellen sich immer mal wieder ein paar Effekte wie Hall oder leichte Verzerrung, ein paar astreine Screams oder gekeifte Spoken Words und ähnliches. Zusätzliche Facetten kommen hinzu, wenn sich die Brüder Harvst und Kaelt sich am Mikro abwechseln und ergänzen. So entwickelt sich die 45 Minuten der Scheibe zu einem ziemlich kurzweiligen, fesselnden und zum Headbangen und Grooven animierenden Erlebnis, dem allerdings textlich ein paar ernstere Themen zugrunde liegen.

Wenn ihr also mal wieder Bock auf rockigen, abwechslungsreichen und einzigartigen Black Metal aus deutschen Landen habt, dann führt nur schwer ein Weg an Vargsheim vorbei, denn mit „Träumen der Schlaflosen“ ist den Würzburgern ein Album gelungen, dass rockige leichtigkeit mit doomiger Schwere und düsterer Schere verbindet und dabei ehrlich und bodenständig rüberkommt. Absolut hörenswert.

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