Yarr – Die Stadtpark Chroniken

Yarr - Die Stadtpark Chroniken

Segel gesetzt, Matrosen! Das saarländische Pirate Metal-Projekt Yarr lädt zum Betrinken im Stadtpark ein und vom Pfand wird die zweite Runde finanziert! Etwa 6 Jahre nach Bandgründung und der ersten EP sind die vier Seebären endlich mal nüchtern genug gewesen den Weg ins Studio zu finden und können daher endlich ihr Debüt-Album vorzeigen, welches Mitte Mai veröffentlicht werden soll. „Die Stadtpark Chroniken“ soll es heißen und ist genau so ernst wie der Titel vermuten lässt.

Yarr nehmen den Hörer mit auf ihre epische Quest im Park Pfand einzusammeln, weil auf Deck das Bier alle ist, trinken im Anschluss in einer „regenbogen schnuffig warmen Bucht“ ihr Colabier bevor am Ende eine epische Schlacht gefochten wird. Soweit so bescheuert. Als vermutlich einziger Mensch der Welt, der die Hoffnung auf ernsthaften, historisch zumindest halbwegs korrekten Pirate Metal noch nicht aufgegeben hat, fällt einem da der Einstieg schon thematisch schwer. Musikalisch hat die Scheibe allerdings ordentlich mehr zu bieten als man zunächst vermutet, und so komme ich nicht daran vorbei mich auf das Album einzulassen… und nach einigen Durchläufen, macht der piratige Mix aus Black, Death und Folk Metal mit dem obligatorischen Keyboard-Akkordeon ordentlich Spaß und wird natürlich kompetent präsentiert. Die Riffs sitzen, das Drumming ist mehr als nur solide und die Songs natürlich oft mitgröhlbar und absolut partytauglich. Dabei bildet das Akkordeon zwar oft einen zentralen Aspekt der Musik, drängt allerdings überraschenderweise nicht zu sehr in den Vordergrund, sondern gibt den Riffsalven und den aggressiveren Parts durchaus genug Platz um sich zu entfalten. So macht der melodische Black/Death der Kombo um Graf Branca von Menta und Davy Jones, die man unter anderen Namen eventuell aus Bands wie Nelandhir, Immorior oder Stardust kennt, gleich noch mehr Bock. Selbiger schwankt immer wieder zwischen melodischen Parts und Rhythmus-Abriss, welcher in „In einer regenbogen schnuffig warmen Bucht“ in schwere, alles zerdrückende Slams ausartet. So finden die Jungs die richtige Balance zwischen Feiern und Härte und halten die Scheibe spannend. Da helfen allerdings auch die Vocals deutlich mit, denn diese liefern alles was man zwischen Piratenchor, Cleans, Screams, Growls und Pig Squeals so mit seinen Stimmbändern machen kann. Damit zeigen die Seeräuber auf knapp 40 Minuten all ihr Können und schaffen es damit auch Kritiker wie mich von sich zu überzeugen. Und wer auf ne ordentliche Pfandparty mit Augenklappe aus ist, der kommt hier eh auf seine Kosten.

Überraschenderweise kann mich das Debüt-Album der Blackened Pirate Metal-Kombo Yarr absolut überzeugen. Thematisch zwar Nonsens und deutlich auf Party getrimmt, schafft es die Truppe mit konsequent kompetentem und interessantem Songwriting dem Genre eine riesen Ladung Aggression und Tiefgang mit auf den Weg zu geben, den man so nicht erwartet hätte. Damit ist „Die Stadtpark Chroniken“ auch für Landratten eine feine Sache.

Links:

Bandcamp    Facebook    Metal-Archives    Nahetal Klangschmiede

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s