Die Gesellschaft der Grauen Herren – Imagines Itineris

Die Gesellschaft der Grauen Herren - Imagines Itineris

„Avant-garde“ ist ein Begriff, der viel zu oft für „keine Ahnung was ich hier mache, aber ich hab die Gitarre gekauft, also spiel ich sie jetzt auch“ steht und Genregrenzen oft mehr aus Dilettantismus denn künstlerischem Freigeist ignoriert. Umso besser, wenn Bands in diesem Feld auftauchen, deren Freigeist man gerne lauscht, auch wenn er einen auf einen vorher unbekannten Pfad führt. Eine dieser Ausnahmen bilden die Marbuger von Die Gesellschaft der Grauen Herren, die 2010 ins Leben gerufen wurden und 2014 mit „Imagines Itineris“ ihr erstes und bislang einziges Album veröffentlichten.

Dass die Herrschaften nicht den klassischen Black Metal-Pfad einschlagen, lässt sich schon gleich am Opener erkennen, denn „An die Ufer der schwarzen See“ spannt sich über fast 25 Minuten, baut sich komplex und abstrakt auf und liefert gleich mal alle Trademarks, die auf der Scheibe zum Einsatz kommen. Neben progressiven Strukturen und sperrigen Arrangements säumen auch kräftige Riffs den Pfad, der einen immer wieder zu melodischen Lichtungen lockt und immer wieder schleichen sich Jazz-Elemente ein. Die vorherrschenden Screams werden immer wieder durch melodischen Klargesang von sowohl weiblicher als auch männlicher Herkunft unterbrochen. Die Wildheit der See trifft immer wieder auf sanftes Innehalten, melancholisches Streifen durch die Natur, ein sich ständig wechselndes Bild entsteht. Von Vorhersagen über den Verlauf des Songs und des Rests des Albums sollte man sich gleich fernhalten, man wird ja doch überrascht, denn so wie der erste Song sich zeigt geht es ohne Unterlass weiter. Jeder Song zelebriert seinen ganz eigenen Reigen von schiefem/dissonantem, schwer einzuordnenden und sperrigen Black Metals, der irgendwo zwischen progressive und „Hatten wir nicht mal nen roten Faden?“ wandelt, es aber trotzdem irgendwie schafft immer nachvollziehbare Bahnen zu beschreiten. Dabei ist nicht nur der Opener ein echtes Kunstwerk für sich, denn Brecher wie „Sommernachtstraum“ oder der sehr melodische und ebenfalls relativ lange „Ascheregen“ halten den Hörer bei Laune und schaffen es verschiedene Emotionen in ihrem eigenen Sound einzufangen. Da kann das Album schonmal 70 Minuten lang sein.

Imagines Itineris“ ist vermutlich nicht das eingängigste Album der Welt und das soll es auch gar nicht sein. Dafür schaut es gezielt über jedweden Tellerrand und nimmt sich alles was es gerade braucht ohne sich zu überfressen. So sperrig und verkopft wie die Sache klingt, es bleibt doch immer nachvollziehbar, das Songwriting ist immer stark, die Riffs sitzen und die Wechsel sind fließend. So schafft es Die Gesellschaft der Grauen Herren ein Paradebeispiel für guten Avant-garde Black Metal abzuliefern und von A bis Z zu überzeugen. Sehr schönes Teil. Bleibt zu hoffen, das man von den Herren nochmal was hört, angekündigt war das neue Album ja schon für 2019.

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