Asenheim – Tristan

Asenheim - Tristan

Asenheim sind schon etwas ganz spezielles. Das erste Mal aufmerksam geworden bin ich auf das Projekt mit ihrem Meisterwerk „Wenn die Nacht…“ (2016) und seitdem fasziniert mich der Sound der Band extrem. 2004 unter dem Namen Sins of Desire gegründet benannte man sich 2006 in Asenheim um. Unter diesem Banner kämpfte Tiwaz dann überwiegend alleine, veröffentlichte Demo um Demo und arbeitete kontinuierlich an seinen Fähigkeiten, vor allem im Songwriting. 2012 erschien dann ein erstes selbstbetiteltes Album und 2019 mit „Tristan“ der dritte Langspieler. Selbiger soll heute auch hier vorgestellt werden.

Im Vergleich zum Vorgänger hat sich am Sound wenig getan, doch thematisch wurde einiges umgestellt. Statt mit heidnischen Themen befasst man sich hier mit Tod, Trauer und Vergänglichkeit in typisch ruppiger lo-fi Herangehensweise. Doch das beschränkt sich nur auf den Sound der Scheibe, der wie gewohnt mit Übersteuern, Rauschen und belchernem Sound überladen ist, dass man teilweise nur erahnen kann, dass die Leitmelodie von einer Gitarre gespielt wurde. Der Unterschied zu gewöhnlichem Raw Black Metal ist an dieser Stelle, dass Tiwaz es als Stilmittel nutzt und es nahtlos in das Konzept einpasst, statt ein unproduziertes Rehearsal-Tape rauszuhauen um kvlt-Punkte zu sammeln. Dazu beweist Tiwaz erneut ein unsagbares Talent für Emotionen und Melodien, die einem einen wohligen Schauer über den Rücken laufen lassen. Bereits beim Opener „Der letzte Tag des Sommers“ liefern die Gitarren zwar harsche, aber extrem erhabene Melodien und Riffs, die sich sofort im Ohr festsetzen während rumpelnde Drums im Hintergrund grummeln und ein Hauch Piano hier und da die zerbrechliche Seite der Band zur Schau stellt. Gepaart wird dieses Machtspiel von irgendwie amateurhaften, aber ehrlich klingen Screams, die voller Inbrunst und mit Trauer in der Stimme seine Klagelieder herauskrächzt. In einer anderen Welt würde man ihn wohl mit Quorthon vergleichen, in dem Sinne, dass beide keine begnadeten Sänger waren, das aber durch ihren Pathos und Herzblut um ein vielfaches wett machen. Dazu gesellt sich immer wieder Klargesang, meist mit Hall versehen und hier und da mehrstimmig, der wie das Gekeife zunächst gewöhnungsbedürftig ist, sich aber schnell tief ins Herz gräbt und einen so schnell nicht mehr loslässt. Schwache Songs lassen sich auf dem Album keine finden und doch stechen der Opener und „Zuhause (…wenn der Himmel über uns zerbricht)“ heraus, wohl durch den noch emotionaleren Aufbau und großartige Riffs, Melodien und Texte. Immer wieder schwankt man zwischen Gänsehaut, Betrübtheit und einem breiten Grinsen, dass einem die Riffs aufs Gesicht zaubern. Kommt doch selten vor, dass solche Musik einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert und meistens eher auf Grund des kläglichen Scheiterns des Musikers und nicht weil mal sich fasziniert in melodischen Störgeräuschen verliert.

Freunde von Hochglanzproduktionen sollten hier lieber weghören, denn Asenheims Musik hat Charakter, Ecken und Kanten, einen sägend-beißenden Gitarrensound und blecherne Vocals. Doch statt das Klischee des Rumpel-Black Metals zu bedienen, liefert die Band epische Hymnen von Trauer und Melancholie, bei denen die Störgeräusche essenziell zum Gesamtbild beitragen und die großartigen Melodien, die Emotionen des Gesangs und auch die filigranen Piano-Einlagen nie unter sich begräbt, sondern sich in eine Symbiose mit ihnen begibt. Mit „Tristan“ ist dem aktuell als Duo agierenden Projekts also wieder ein absolutes Bollwerk gelungen. Chapeau.

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