Chased Crime – Transitory

Chased Crime - Transitory

In Hessen gibts auch gute Musikanten, das beweisen Chased Crime aus Heusenstamm bei Frankfurt seit mittlerweile über 30 Jahren. 1989 gegründet veröffentlichte man zunächst einige Demos und EPs, nach der Jahrtausendwende auch endlich mal zwei Alben. Aufgrund der doch immer mal etwas länger ausfallenden Pausen zwischen den Releases war der Band leider nie großer Ruhm beschert worden, doch unterkriegen lassen hat sich die Band nie. Unser Fokus liegt heute allerdings nicht auf den Alben, sondern einer unscheinbaren EP namens „Transitory„, die 1996 veröffentlicht wurde. Warum? Weil ich die grade vor mir liegen hab… (und weil sie echt gut ist).

Ohne Kompromisse steigt man hier direkt mit nem vertrackten Thrash-Riff ein, gefolgt von einem proggigen Rock/Metal-Hybriden mit sphäroschen Keyboards. Sofort weiß man wo man dran ist. Hier hat mans nicht mit Pop-Metal zu tun sondern mit schrägem, verfrickeltem Progressive Metal, der trotz seiner Komplexität immernoch recht eingängig ist. Dabei wird etliches abgegrast und in die Songs gewoben. Vom kraftvollen, melodischen Neoprog über harsche Thrash-Riffs und Proto-Groove Metal bis hin zu ausladenden Arrangements und wild-verrückten Solos. Dazwischen schleichen sich immer wieder epische Vocal-Solos mit leichter Untermalung, in der der Hörer schön mitsingen kann bevor die Instrumente wieder stärker zum Vorschein kommen. Die Vocals zeigen sich trotzdem eigentlich immer von ihrer dominanten Seite und übertönen die komplexen Gitarrenlinien und die treibenden Drums gerne mal mit kraftvollem Klargesang, der häufig einen Hauch von Gekeife durchschimmern lässt. Das passt sich erstaunlich gut der Musik an und sorgt für einen melodischen Ausgleich zum Gefrickel. Aber auch rein instrumental können die Songs einiges. Zwar ist das ganze wirklich keine leichte Kost, doch wirkt hier nichts übertrieben oder zu abgehoben. Alle Übergänge ergeben Sinn, der Schwanz zum härteren Thrash passt sich sorgfältig in die Riff- und Solo-Salven ein und auch die Hammond-Orgel-Keyboards kommen ganz ohne Kitsch aus sondern liefern etwas melodisches und tragendes im Hintergrund was den Songs doch immens hilft nicht den roten Faden zu verlieren. Irgendwie schafft es die Band auch die Brücke zwischen klassischem Prog und modernem Prog und Rhythmus-orientierter Musik (Groove Metal) zu schlagen ohne dass sich die Einflüsse beißen. Für eine EP ist die Scheibe mit 35 Minuten auch ziemlich lang, wodurch man genug Raum hat um nicht jeden Song vollkommen zu überladen. Trotzdem ist es erstaunlich wie viele Riffs und Ideen man in 6 Songs packen kann.

Wenn man also mal wieder Lust auf facettenreichen 90s Prog hat, dann kann man bei dieser EP getrost zuschlagen. Trotz komplexen Songs, ausladenden Riff-Eskapaden und einer grundlegenden Sperrigkeit schaffen es Chased Crime auf „Transitory“ trotzdem spielerisch einen roten Faden, längere Melodiesegmente und ein paar Thrash-Einflüsse einzupflegen und so das Werk durchweg gut hörbar zu halten. Stellenweise hat das Ganze schon Ohrwurm-Charakter. Gutes Ding!

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