Haissem – Philosofiend

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Heute begeben wir uns mal wieder in die Untiefen der ukrainischen Metalband und einer Band, deren vorherige Alben mir weniger zusagten. Die Rede ist von Haissem, einem Ein-Mann-Projekt, dass mit „Philosofiend“ nun einen weirden Black/Death Metal-Brecher vorgelegt hat. Dabei ist der gute Mann schon einige Jahre aktiv und hat zuvor bereits vier Alben und 2 EPs veröffentlicht. Die fünfte hat dann allerdings erst bei mir Klick gemacht, sonst wäre der Herr schon viel früher hier aufgetaucht.

Musikalisch fußt die Scheibe in der Schnittmenge zwischen Black und Death Metal und bildet so ein düsteres und unbequemes Werk, das einen nicht so recht willkommen heißen will. Dazu schwankt die Musik konstant zwischen melodischem Riffing, Raserei und absolutem Chaos, fügt sich aber doch irgendwie zu einem roten Faden zusammen, dem man grade so noch folgen kann ohne völlig überrollt zu werden. Die Songs kommen allesamt mit differenzierter und kraftvoller Produktion daher, was der Musik nochmal mehr Nachdruck verleiht, dazu reiht sich ein spannendes Riff an das nächste, wobei sie manchmal öfter wechseln als einem lieb wäre. Dazu immer wieder Takt- und Tempowechsel, hier und da wird mal ganz die Aggression rausgenommen (wie im Mittelteil von „Bliss Apocryphal„), Dissananzen schleichen sich ein, Aggression mutiert zu Wahnsinn und dabei hat alles mit „An Inspiration for My Inner Carnifex“ so groovig weird angefangen… Auch gesanglich gibts Hass auf die Lauscher, röchelt und krächzt sich mal mehr mal weniger heiser oder flüsternd durch seine Tiraden, die sich im Meer aus Wahnsinn fast ein wenig verlieren, aber trotzdem noch mit ordentlich Wucht einschlagen. Gerade der Refrain von letztgenanntem Song liefert so viel Emotion und Mitsingpotential, dass man förmlich dahin schmelzen möchte, doch auch der Rest der Songs ballert. Als Krönung werden hier und da leichte Thrash-Elemente verbaut, die mit ihren schnellen aber sehr präzisen Riffs dem Grundtenor der Scheibe fast zu arg entgegenstehen, sich aber doch irgendwie noch ins Konzept retten. Nach 50 Minuten ist der Spuk dann vorbei und man weiß zunächst nicht so ganz, was man von dem gerade gehörten halten soll, denn die ganzen Finessen breiten sich erst nach mehrmaligem Hören vor einem aus. Trotzdem muss ich sagen, das ists auch wert!

Wer chaotischen, verrückten und dissonanten Black/Death Metal mag, der kommt hier sicher auf seine Kosten. Alles ballert kreuz und quer, dazu Raserei, Ruhe und ein Hauch Melodie, irgendwo sägen Gitarren durch den Wald, dann dröhnt einem wieder der Bass um die Ohren und doch behält es sich die Scheibe vor, einen nicht mehr los zu lassen, sondern an den Lautsprecher zu fesseln. Haissem hat es mit „Philosofiend“ geschafft, ein Album zu veröffentlichen, dass einen zwar blutig in der Seitengasse zurücklässt, dir aber wieder aufhilft und dich zum Arzt fährt, wenn ihr wisst, was ich meine.

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