Krähenfeld – Vergänglich

Krähenfeld - Vergänglich

Widmen wir uns heute mal einem Album, bei dem ich tatsächlich nicht mehr weiß, woher ich es kenne. Gut möglich, dass mir das die Jungs von Stillers Tod mit ins Paket gelegt haben, als Wiedergutmachung für die lange Wartezeit auf die Vinyl vom aktuellen Album…keine Ahnung. Wo auch immer die CD her kam, sie landete genau beim Richtigen, denn was die Jungs von Krähenfeld aus Krefeld (Wortspiel beabsichtigt?) auf ihrem 2018er Debüt „Vergänglich“ abliefern, hat mich sofort begeistert.

Nach kurzem Ambient- und Akustikintro gehen die Herrschaften mit „Des Wahnsinns kalte Gier“ in die Vollen und zeigen sofort, in welche Richtung die Scheibe gehen soll. Düster, träge und melancholisch drückt der Black Metal der Jungs langsam aus den Lautsprechern, bleibt dabei gleichzeitig melodisch und hier und da mal etwas ruppiger. Musikalisch verbleibt man dabei eher im klassischen Black Metal der späten 90er, frischt den aber gerne mit modernen Einflüssen auf, lässt hier und da kleinere Gitarrensoli zu oder streut ein paar düstere Spoken-Words ein. Da bleibt trotz eher gediegenem Tempo und einem starken Fokus auf eine dichte, nihilistische Stimmung Kurzweile an der Tagesordnung und das trotz Songlängen im zweistelligen Minutenbereich. Ständig ändern sich Details, immer mal wieder switchen die Songs den Stil, werden kurz wilder und fast schon chaotisch, meist wenn auch die Lyrics expliziter werden, oder rücken die Melodien weiter in den Mittelpunkt. Besonders intensiv werden die Songs allerdings, wenn die Stimme in den Fokus rückt und sich gequälter Klargesang, verzweifelte Schreie und eine gewisse Portion Hass Bahn brechen und den Hörer vereinnahmen. Man nehme nur den großartigen Mittelteil von „Wachkoma„, in dem das Stück nur aufgrund des Gesangs um Welten depressiver wird. Mit „Krankheit Mensch“ kommt dann noch ein kurzes Spoken-Word-Interlude, dass sich in seiner Vortragsweise und Stimmung doch recht deutlich an der Neuen Deutschen Todeskunst der 90er orientiert, besonders was die Theatralik anbelangt. Die normalen Screams sind zwar auch allesamt ziemlich gut gemacht und können mit ihrem raspelnden, tiefen Gekeife mitreißen, aber eben nicht ganz so intensiv wie die „Ausreißer“-Stimmen. So zieht die Zeit an einem vorbei während man immer tiefer in diesem ziemlich eingängigen Black Metal-Album versinkt.

Krähenfeld sind für die eher melancholischeren Black Metaller genau das richtige. Wer sich trotz aller Misanthropie eher in Melancholie suhlt und melodischere Töne bevorzugt, der kommt hier voll auf seine Kosten, ohne auf ruppige Parts und eine Schippe Aggression verzichten zu müssen. Im Zentrum stehen allerdings trägere Klänge, die auch mal über mehrere Minuten verharren, nur um dann umso intensiver zu werden und mit vielen kleinen Einflüssen und Wechselns spannend zu bleiben. „Vergänglich“ macht dabei seinem Namen alle Ehre und macht einem die Vergänglichkeit der Welt und allem Leben bewusst. Großartig!

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