Shamael – Melancholie der Engel

CD4000S

Heute mal wieder etwas träger, denn mit Shamael meldet sich ein neues Funeral Doom Metal-Projekt aus Italien zu Wort. Der Typ dahinter ist bereits seit 2010 mit einem eher experimentellen Projekt unterwegs und hat sich 2020 dazu entschlossen mal was mit Doom zu machen. Daraus entstanden ist dann das erste Album namens „Melancholie der Engel“ von Shamael, das ebenfalls als Ein-Mann-Projekt an den Start geht.

Vier Songs sind auf der Scheibe zu finden, wer Funeral Doom kennt, der weißt, dass das Album trotzdem die 40-Minuten-Marke knackt, also etwa 10 Minuten pro Song hinlegt. Schleppend und schwer ergießen sich die langen Hymnen über den Hörer, erdrücken ihn mit ihrer Gewalt, lassen aber durch sphärische Keyboard-Passagen immer wieder etwas Luft zum Atmen. Die Keyboards sorgen auch in den Metal-Parts dafür, dass die Atmosphäre ein klein wenig weniger aussichtslos erscheint und klingt ein wenig als befände man sich tief im Meer. Erinnert mich einfach ein wenig an Aeberassath und deren Aquatic Synth. Lässt sich natürlich auch so interpretieren, dass man in den Sphären zugegen ist, in denen sich sonst nur Engel aufhalten und deswegen alles etwas verschwommen und wabernd ausfällt. Die Riffs dagegen sind weniger wabernd und dröhnen einem ziemlich direkt ins Ohr, immer begleitet vom Bass, der dem Ganzen noch mehr Bumms verpasst. Hier und da werden die Riffs auch mal durch vergleichsweise rockige Momente aufgelockert, bleit aber immer der Schwere und der Langsamkeit treu. Dadurch bauen sie eine ziemlich dichte, bedrückende Stimmung auf, die auch durch die tief grollenden Growls verstärkt wird und durch die Keyboards etwas „vermelancholisiert“ wird. Immer wieder wandelt sich das Klangbild, wird mal wilder, mal melancholischer, dann wieder unfassbar schwer und dann doch wieder voller Hoffnung. Innerhalb des Korsetts, den einem die Träge des Genres aufzwingt, bekommt man hier doch extrem viel geboten, gegen Ende von „Way of Woe“ erinnert die Gitarren beispielsweise schon fast ein wenig an die Musik, die läuft, wenn sich zwei verfeindete Cowboys im Showdown gegenüber stehen. Da trifft Ideenreichtum auf sehr gutes und breites Songwriting, was das Album zu einer durchweg interessanten und fesselnden Reise werden lässt.

Doom Metal-Freunde, aufgepasst! Mit Shamael wagt sich ein neues Projekt an das doch sehr enge Korsett des Funeral Doom Metals und schafft es eine nautisch-sphärische Atmosphäre mit stampfenden Riffs und drückender Schwere zu verbinden und dabei genug Ideen ins Songwriting einfließen zu lassen, dass es über 40 Minuten hinweg spannend und interessant bleibt. „Melancholie der Engel“ könnte sich klammheimlich zu meinem Doom-Highlight des Jahres entwickeln.

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