Autumn, Leaves, Scars – Unter dem Füße der trauerd Winde

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In Rumänien waren wir lange nicht unterwegs, stimmts? Das ändert sich nun mit dem Projekt Autumn, Leaves, Scars des rumänischen Multiinstrumentalisten P. Das 2012 gestartete Projekt beinhaltete zu Anfang noch einen Sänger, der allerdings nach kurzer Zeit wieder ausstieg und so blieb die Band die nächsten Jahre rein instrumental. Das änderte sich erst wieder als Kyla 2019 einstieg. Aus dieser Verbindung entstand jetzt ein erstes Album, das auf den sperrigen Titel „Unter dem Füße der trauerd Winde“ hört, welches mehr schlecht als recht aus dem Gedicht „Grab des Dichters“ von Oskar Loerke „geklaut“ wurde.

Deutlich weniger unhandlich als der Titel entpuppt sich die Musik des Projekts. Die bewegt sich stattdessen in gemächlicheren Black Metal-Regionen und geht auch gerne mal in Richtung DSBM, Post- sowie Atmospheric Black ohne sich einer Richtung völlig zu verschreiben. Stattdessen hält sich das Album durch viel Variation und Spielereien frisch, baut dabei aber auch eine ziemlich packende Atmosphäre auf und überzeugt mit überraschend gutem und ausgewogenem Songwriting. Während im Hintergrund ganz dezent durch langgezogene Riffs und träge Wechsel für eine bedrückende Atmosphäre gesorgt wird, zeigt sich der Vordergrund deutlich verspielter und aktiver, sorgt immer wieder mit schnellen Riffs für Action, lässt Melodien sich entfalten und auch das Drumming geht energisch und abwechslungsreich auf die Barrikaden. Immer wieder schimmern kleine Nuancen durch, die das Album spannend und interessant halten während eine depressive und nihilistische Stimmung erzeugt wird an welcher nicht zuletzt das gequälte Schreien von Kyla eine Mitschuld trägt. Es lädt gerade zu dazu ein sich in seiner malerischen Traurigkeit zu verlieren. Dabei sollte man die Scheibe aber nicht komplett dem DSBM zuschreiben, dafür ist da noch zu viel Power hinterm Drum Computer, zu viel Abwechslung in den Riffs und generell zu viel los. Hier und da werden sogar leichte Querverweise zu Deathspell Omega und Konsorten gezogen während andere Parts ein wenig Black’n’Roll durchschimmern lassen. Auf den immerhin 50 Minuten der Scheibe bekommt man also einiges geboten, auch wenn der Grundtenor prinzipiell gleich bleibt, die ordentliche aber charmant unsaubere Produktion etwas steril daher kommt und gegen Ende doch ein wenig die Luft raus ist.

Autumn, Leaves, Scars beweisen auf ihrem neuen Album, dass sie auch mit Gesang sehr gute Musik abliefern können. Zwar lässt „Unter dem Füße der trauerd Winde“ noch Luft nach oben auch was das Zusammenspiel der beiden Musiker anbelangt, aber Fans von traurigerem, tristeren Black Metal kommen trotzdem auf ihre Kosten, zumal es die Band vermeidet in schnöder Monotonie zu versinken. Kann man sich durchaus mal reinziehen!

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