Klymt – Murder on the Beach

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Klymt sind zurück. Die französische Coldwave-Band war bereits mit ihrem dritten Album von 2016 bei mir zu Gast, wird also mal Zeit zu schauen, was sich seitdem getan hat. Eine Compilation mit alten Ideen, Covern und ähnlichem kam zwischenzeitlich noch, sowie eine Split mit Orchidée Cosmique. Viel verpasst hab ich also nicht, umso erfreulicher, dass auch das neue Album „Murder on the Beach“ überzeugen kann.

Analogue Bastard“ geht dabei erstmal ziemlich ruhig los und wird erst in der zweiten Hälfte wilder. Dabei schafft es die Band eine ziemlich eigenwillige Atmosphäre aufzubauen, die irgendwo zwischen Katerstimmung und Drogentrip liegt. Das zieht sich so auch durch den Rest des Albums, immer fühlt es sich an, als wäre der eigene Geist benebelt, als würde man das Album gar nicht so wahrnehmen wie es eigentlich klingen sollte, sondern durch einen psychedelischen Vorhang hindurch. Das Songwriting schwankt zwischen stumpfen Industrial-Beats, verrauschtem Post-Punk und trägem EDM, das ganze unterlegt von einem flüchtigen Keyboardteppich. Immer wieder klingt das auch nach Synth Pop, ohne dabei wirklich poppig zu klingen, was vermutlich auch an den dezent betrunken klingenden Vocals liegt. Diese passen allerdings perfekt zum Konzept der Band. Dieses düstere, kaputte, das sie bereits auf dem letzten Album zur Schau stellten, bohrt sich auf perfide Art ins Ohr. Ständig wechseln die Songs von ruhig und nachdenklich zu unbeschwert und catchy, bleibt dabei allerdings verstörend und unbequem. Experimentell? Sicher. Aber trotzdem wirkt die Musik von Klymt nicht sperrig oder erzwungen, sondern flowt flüssig von einem Part zum Nächsten. Jeder Song geht dabei einen eigenen Weg, der eine fokussiert mehr den düsteren EDM-Einfluss, der andere geht mehr in die Post-Punk oder Grunge-Richtung und wieder andere gehen etwas mehr in Richtung Synth Pop. Trotzdem funktionieren sie auch als Album und spielen sich gegenseitig Bälle zu, die die anderen dann wieder aufgreifen und das Album so zu einem sphärischen, düsteren und bisweilen verstörend ungewöhnlichen Abenteuer werden lassen.

Klymt scheinen zumindest musikalisch etwas kaputt im Kopf zu sein. Anders kann ich mir die Entstehung dieses in Musik gegossenen Drogentrips nicht erklären. Trotzdem überzeugt auch „Murder on the Beach“ auf seine ganz eigene Weise und liefert mit seinem Mix aus Coldvave, Post-Punk und EDM/Industrial etwas, das man so nicht alle Tage zu hören bekommt. Kein Album für zwischendurch, aber absolut empfehlenswert.

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