Helioss – Devenir le soleil

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Dass die Franzosen gerne mal etwas skurriler unterwegs sind, wenn es um Metal geht, weiß man ja spätestens seit Gojira oder Death Spell Omega. Helioss aus Paris zählten da für mich bisher eigentlich nicht dazu. Das ändert sich jetzt allerdings mit dem vierten Album der 2009 gegründeten Band zumindest ein wenig. Wie gewohnt ist auch „Devenir le soleil“ als Duo aufgenommen worden, wobei vor allem im 8. Song dutzende Gastbeiträge zu hören sind.

Über weite Teile der Scheibe bleiben die Herren auch recht harmlos. 8 von 9 Songs bieten einfach ziemlich guten, symphonischen Black/Death. Der wechselt immer wieder zwischen harscher Aggression und melodischen Parts, die gerne auch mal ein paar schöne Piano-Parts beinhalten. Hier und da schleicht sich auch mal ein Saxophon ein, oder die Riffs werden proggig bis neoklassisch. Das wird ja im symphonischeren (Extreme) Metal gerne gemacht und steht der Musik auch hier gut zu Gesicht. Der bissige Keif- und Growlgesang von DM, der hier und da von Gegensprechanlagen-Spoken-Words abgelöst wird. Meist zeigt sich der Gesang mal einstimmig, mal doppelt, zeigt hier und da auch mal beide Stile gemischt und passt so ziemlich gut zur doch ziemlich facettenreichen Musik der Herren. Zumal die französischen Texte natürlich zum „gehobenen“ Songwriting wie die Faust aufs Auge passen. Auch schaffen es die Herren sich nicht allzu sehr an den bekannten Größen des Genres zu orientieren, sondern ihr eigenes Ding durch zu ziehen, was sicher nicht zuletzt an den immer wieder eingestreuten Prog-Metal-Riffs und doch etwas weirdem Songwriting liegen dürfte. Aber das alles bewegt sich noch im normalen Rahmen des Genres. Was die Scheibe erst so richtig skurril werden lässt, das ist Song Nummer 8. Der Titelsong des Albums bricht in seinen 24 Minuten eigentlich konstant mit dem restlichen Konzept des Albums und schlägt seine Brücke zum Rest nur durch die proggigere Herangehensweise und dem Einstieg, der sich noch dem symphonischen Black/Death zuordnen lässt. Was danach kommt reicht von Prog Metal über Spoken Words mit Violinen, Avant-garde-Eskalation und Theatralik bis zu Segmenten mit orientalischem Folk, stampfendem Groove Metal. Dazu dann noch die ganzen Gastbeiträge, davon allein vier verschiedene Gastsänger. Das kann einen dann doch ziemlich leicht aus der Bahn werfen, gerade im ersten Hördurchlauf. Lässt man sich drauf ein, funktioniert das Ding aber erstaunlich gut und wirkt eigentlich gar nicht mal so deplaziert auf der Scheibe. Skurril, ja, aber auch echt gut gemacht. So endet die Scheibe dann noch mit nem Instrumental, das wieder ein wenig mehr in Richtung der restlichen Songs geht, nur eben deutlich ruhiger und mit mehr Fokus auf den Violinen.

Helioss konnten mit „Devenir de soleil“ mehr als nur überraschen. Während der Symphonic Black/Death, der den Hauptteil des Albums füllt nur durch seine proggige Seite vom Genrestandard abhebt, aber trotzdem äußerst gut gemacht ist, reißt einen der Titelsong in völlig andere Sphären mit. Muss man mögen, aber ich fand die 24 Minuten des Songs absolut großartig. Dementsprechend kann ich gar nicht anders als dem Album meine Empfehlung auszusprechen.

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